Alte Mauern erzählen

Geschichte lebt in alten Häusern

Mettenheims Geschichte reicht weit zurück. Der Lauf der Zeit verändert das Ortsbild und das Antlitz der Gebäude in unserem Dorf fortwährend. Diese Veränderungen sind manchmal gewollt, etwa bei Renovierungen und Modernisierungen, manchmal aufgezwungen vom Zahn der Zeit, von Bränden, Kriegen, Umstürzen und unabwendbaren Anpassungen.

Im alten Ortskern gibt es heute noch eine beachtliche Anzahl historischer Gebäude, auf die sich ein genauerer Blick lohnt. Finanziell unterstützt vom Förderprogramm in der LEADER-Region Rheinhessen haben sich die Freitagsturner daran gemacht, an historisch wertvollen und für die Geschichte Mettenheims interessanten Gebäuden Hinweistafeln anzubringen, die in Bildern und kurzen Texten ein Schlaglicht auf längst vergangene Zeiten werfen und verschiedene Epochen zum Leben erwecken.

In den nächsten Wochen werden wir unter dem Motto „Alte Mauern erzählen“ 18 Häuser und Sehenswürdigkeiten in Mettenheim hier vorstellen. Den Anfang macht, wie könnte es anders sein, das Rathaus im Zentrum Mettenheims. Die interessierten Mettenheimerinnen und Mettenheimer sind eingeladen, vor Ort Geschichte und Gegenwart im Schatten alter Mauern auf sich wirken zu lassen.


Wir danken Hansi Winter und den Freitagsturnern für den kulturell und touristisch wertvollen Beitrag.

Gemeindeverwaltung Mettenheim

Wilfried Eichner, Ortsbürgermeister

Rathaus 2. Hälfte 16. Jh.

Gebäude um 1890

Hauptstrasse 1

Das Rathaus stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und hat alle Zerstörungen des 30-jährigen Krieges überstanden. Ein massiv gemauertes Erdgeschoss mit ursprünglich offener Halle trägt ein in Fachwerkkonstruktion ausgebautes Obergeschoss. Im Unterschied zu anderen Ratshäusern in Rheinhessen ist das 1. Stockwerk mittels eines vorgesetzten runden Turmes zugänglich, der als weitere Originalität eine links windende Sandstein-Wendeltreppe in sich birgt.




Backhausgasse 8

Dieses Haus wurde 1606 als Massivbau, teilweise Fachwerk im Kern Renaissancebau, Torbogen bezeichnet 1606 erbaut.
Er diente während der Grafenzeit als Kutscherwohnung. Auch waren einige Wohnungen für die Dienerschaft vorhanden.
Hier einige Personen, die im Dienste des Grafen standen: Fr. Fischer (Kutscher), Peter Schäfer (Hof-Metzger), Lorenz Schmidt (Reit-Knecht), Joh. Gg. (Hof-Küfer), Niclaus Hans (Soldat). Das Haus ist seit 1806 in Privatbesitz.




Rentamt

Bahnhofstrasse 2

Ehemaliges Wartenbergisches Rentamt. 1726 erbaut durch Reichsgraf Casimir Kolb von Wartenberg als Verwaltungssitz der Grafschaft Wartenberg.
Staatlicher Vierseitenhof mit großem Garten, 18./19. Jh. Zweigeschossiger barocker Putzbau mit Rotsandstein gefassten Rechtecköffnung und Mansardwalmdach (Biberschwanzdeckung).
1804 wurde das gesamte linke Rheinufer französisches Staatsgebiet. Die Grafen mussten Mettenheim verlassen. Alle Besitztümer der Grafen wurden von der französischen Verwaltung übernommen bzw. verkauft.




Gräflich Uexküllscher Gutshof

Hauptstrasse 21

Vierseitenhof, im 18. Jh. Gräflich Uexküllscher Besitz. Das traufständige Eckwohnhaus, ein stattlicher spätbarocker Krüppelwalmdachbau mit massivem Ergeschoss und Fachwerkobergeschoss (verputzt), ist im frühen 18. Jh. erbaut.
Großer gepflasterter Hof. Im Mauerzug zur Straße Am Gutshof, stark verwittertes Uexküllisches Doppelwappen von 1710. Die gut erhaltenen Säulen zu beiden Seiten des Hoftores gehörten zum (1804) niedergerissenen Schloss von Mettenheim. Gebäude ist seit 1806 Privatbesitz.




Herrengarten

Graf Casimir erbaute sich nach Übernahme der Regierung ein Schloss dahier, dessen Grundstein im Jahre 1726 gelegt wurde. Es stand, wie das alte Grundbuch von Mettenheim von 1806 zeigt, am Ende des Dorfes nach Alsheim zu. Ein Fahrweg führte vom Portal des Schlosses über die Straße in einen schön angelegten Garten (Lustgarten) mit fünf Springbrunnen, dieser Garten hieß „Herrengarten“. Die Wasserleitung aus Tonröhren kam vom sog. „Börnchen“ und führte durch die herrschaftliche Küche zu diesem Garten.
Das Schloss wurde nach der Vertreibung des Grafen auf Abbruch versteigert, aber im Jahre 1804 von den Einwohnern niedergerissen. Das dazugehörige Gelände (auch der Herrengarten) wurde verkauft.




Ev. Bartholomäus-Kirche

Kirchgasse 3

Die Barockkirche wurde zwischen den Jahren 1748 und 1756 anstelle der alten, baufälligen Kirche durch Graf Casimir von Wartenberg erbaut und am 24. August 1756 dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Besonders bemerkenswert sind die Orgel aus dem Jahr 1762 der Gebrüder Stumm mit über 1000 Pfeifen und der Grafenstuhl, auch Grafenloge genannt, welche in Rheinhessen einmalig sind. Bis zum Jahr 2001 war auch noch das alte Uhrwerk der Kirche in Betrieb. In der im Jahr 2006 freigelegten Gruft ist die Familie des Grafen Casimir von Wartenberg beigesetzt.




Pfarrhaus

Kirchgasse 7

Bis 1768 stand an dieser Stelle das evangelische Pfarrhaus. Es musste dem Neubau eines Schulhauses mit einem Saal und einer Lehrerwohnung weichen, da die bisherige einklassige lutherische Konfessionsschule zu klein war. 1832 war das bisherige Pfarrhaus neben der Kirche (Kirchgasse 5) baufällig, sodass der Pfarrer veranlasste, das Schulhaus nach Umbau kurzerhand zum Pfarrhaus zu machen. Die Schule wurde vorübergehend in das Rathaus verbannt (vergl. Kirchgasse 5). Seit 1962 ist das Haus in Privatbesitz.




Röhrbrunnen

Hauptstrasse 29

1806 stand hier ein Gehöft mit einstöckigem Wohnhaus. 1881 wurde alles abgebrochen und neu gebaut. Das Hoftor befindet sich an der Röhrbrunnenstraße. Eine Tür führt von der Hauptstraße aus zu dem Haus. Neben dieser Tür ist seit 1930 der Röhrbrunnen angebracht, der sich vorher auf der linken Seite des Eingangs zum Dorfgraben befand mit einem großen Steintrog.
Der Röhrbrunnen wurde 1885 erstmals in einer Mettenheimer Chronik erwähnt und 2013 durch die Freitagsturner des TV Mettenheim renoviert.




Kirchgasse 13

Das hier stehende Gebäude ist der Rest eines größeren Gebäudes, das bereits vor 1806 stand. Zur gräflich wartenbergischen Zeit befand sich in diesem Haus, das noch einen Nebenbau und eine Stallung hatte, die Wohnung des gräflichen Obergärtners. Das ganze Gelände (Herrngarten) war mit einer Mauer umgeben. Die ursprüngliche Mauer ist noch auf der Nordseite erhalten.
Das Gebäude wurde nach 1970 zu einem Wohnhaus umgebaut.




Kindergarten

Gartenpfad 1

Vor 1806 stand auf diesem Gelände hintereinander zwei Wohnhäuser Nr. 30 und Nr. 31. Nr. 31 war Eigentum der jüdischen Gemeinde, hier war auch die jüdische Schule von 1832–1873 untergebracht.
1896 wurden beide Anwesen von der Gemeinde gekauft, nachdem schon 1886 mehrere Bürger die Nr. 31 erworben hatten, um eine Kinderschule einzurichten.
Beide Gebäude wurden durch die Gemeinde abgebrochen und an Stelle von Nr. 30 wurde eine Kinderschule durch die Gemeinde erbaut, während der Platz wo Nr. 31 stand, zum Hof wurde. Um 1900 wurde aus Nr. 30 und Nr. 31 Gartenpfad 1.
Nachdem dieser Kindergarten zu klein geworden war, wurde 1954 auf dem gemeindeeigenen Gelände an der Gartenstraße (jetzt Feuerwehrgelände) ein neuer Kindergarten gebaut. 1955 wurde das Gebäude mit Hof verkauft.




Gasthaus zum Schwanen

Hauptstrasse 8

Hier stand vor 1806 ein zweistöckiges Wohnhaus mit Scheune, Stallung und Kelterhaus. Im Jahre 1889 wurde das alte Wohnhaus samt Stallung abgebrochen und ein neues zweistöckiges Wohnhaus mit der Längsseite zur Straße und überbauter Toreinfahrt errichtet.
Die Gastwirtschaft wurde schon 1726 betrieben, 1975 wurde die Gastwirtschaft geschlossen. Nach Erzählungen von Pfarrer Jost, (Festschrift 1907) befand sich Graf Ludwig, der 1884 die Regierungsgeschäfte von seinem Vater Graf Casimir übernahm, fortwährend in Geldnot, und noch heute liegen unbezahlte Rechnungen für Speisen und Getränke vom Gasthaus Schwanen vor.
Bild von 1920




Historischer Friedhof

Am 28. August 1828 wurde der Mettenheimer „Historische Friedhof“ feierlich eingeweiht und bis etwa 1930 belegt. Er ist mit seinen mehr als 100 noch erhaltenen Gräbern einer der ältesten und größten Friedhöfe in Rheinhessen.
Nachdem in den 1960iger Jahren der nördliche Teil des Friedhofs dem Bau der Leichenhalle weichen musste, ist nur noch die südliche Hälfte vorhanden.
Geschaffen wurden die Grabsteine, bei denen jeder ein Kunstwerk ist, von 12 verschiedenen Steinmetzen. Daraus hat sich eine einzigartige Vielfalt an Form- und Materialwechsel und Stil-Elementen ergeben.
Bemerkenswert ist insbesondere die reichhaltige Grabpoesie auf den Rückseiten der Grabsteine. Die in Stein gehauene Symbolik aus Kreuzen, Mohn- und abgeknickten Rosenzweigen, Säulen- und Eichenstümpfen ist in ihrer Unterschiedlichkeit beachtlich. Auf einem relativ kleinen Raum findet man Obelisken, Säulen, tempelartige Stelen versehen mit dunklen Syenittafeln und einen postamentartigen, quadratischen Pfeilerstumpf (Zippus) aus rotem rheinhessischen Sandstein.




Kirchgasse 4

Barockes Wohnhaus eines Dreiseitenhofes aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Giebelständiger Fachwerkbau auf massivem Untergeschoss mit Krüppelwalmdach. Im Südosten zur Straßenkreuzung hin Eckständer mit Taustab, an dessen oberem Ende sich eine Krone befindet, darüber ein geflügelter Engelskopf, am unteren Ende eine gehörnte Teufelsfratze. An der Schwelle darunter befinden sich die Initialien „PH M3“, die für Philipp Muth III. stehen. An der inzwischen erneuerten Toranlage befindet sich eine Spolie mit der Inschrift „HALM 1726“




Schulhaus - Lehrerwohnung - Ortsverwaltung

Gebäude um 1920

Kirchgasse 5

Das ehemalige Pfarrhaus direkt neben der Kirche, war 1832 baufällig und musste 1844 abgerissen werden. Man errichtete auf diesem Platz das längst benötigte neue Schulhaus mit zwei großen Sälen für die zweiklassige Schule im oberen Stockwerk. Im Erdgeschoss befanden sich eine große Lehrerwohnung für den Hauptlehrer mit Familie und eine kleine Wohnung für den ledigen Vikar, der als zweiter Lehrer wirkte. 1961 zog die Schule in den Neubau am südlichen Ortsrand und so war ein zeitgemäßer Unterricht möglich und das bisherige Gebäude wurde zu Lehrerwohnungen und die Ortsverwaltung umgebaut. Das Haus in der Kirchgasse 5 ist seit 1993 in Privatbesitz.